Gelenau.
Für weit über 500 begeisterte RSK-Fans wurde am vergangenen Sonnabend Ringen zur schönsten Nebensache der Welt. Während die Athleten den SV Sömmerda standesgemäß 27:4 besiegten und damit Platz 3 in der 2. Bundesliga Ost endgültig sicherten, spielten sich die bewegendsten Szenen des Abends erst nach dem letzten Kampfrichterpfiff ab.
Hauptdarsteller waren mit Daniel Franke und Carsten Einhorn zwei Kämpfer, doch rückten sie diesmal nicht aufgrund von Techniken ins Rampenlicht. Im Fall von Einhorn stand ein Abschied an, dessen Endgültigkeit von vielen noch angezweifelt wird. Die Fans können und wollen sich Kämpfe ohne den langjährigen Leistungsträger nicht vorstellen, müssen sich aber wohl an diesen Gedanken gewöhnen. Einhorns Sieg gegen Sömmerda wird wahrscheinlich der letzte gewesen sein, denn nach über 30 Jahren will der Routinier seine aktive Laufbahn beenden.
Daniel Franke steht dagegen vor einem Neuanfang - nicht in sportlicher, sondern in familiärer Hinsicht. Auf ihn wartete an diesem Abend zwar kein Gegner, dafür aber seine langjährige Freundin. Ihren Heiratsantrag konnte der 23-Jährige vor den Augen zahlreicher bewegter Menschen gar nicht ablehnen.
Berührt von der Atmosphäre war offensichtlich auch Gelenaus Leistungsträger Ondrej Jaros. Nach seinem letzten Sieg der Saison hatte der sonst oft emotionslos wirkende Tscheche sogar ein Küsschen für die Fans parat. Diese bedankten sich in gewohnt euphorischer Manier für die starke Leistung ihres Teams. Denn bis auf die vor dem Kampf überreichten Schokoladen-Weihnachtsmänner nahm Sömmerda wenig aus dem Erzgebirge mit nach Hause. Die Gelenauer feierten bei Freibier dagegen noch bis in die Nacht hinein. Sie ließen noch einmal die etwas eigenwillige Interpretation der "Glocken von Rom" Revue passieren, die in der Halbzeitpause zu sehen war. Sie dankten Falk Hofmann, der sein Trikot für einen guten Zweck versteigerte. Und sie gratulierten Carsten Einhorn, den die Fans zum Gelenauer Ringer des Jahres wählten.
Freie Presse (ab)