Kleinostheim.
Für den einzigen Ringer des RSK "Jugendkraft 1898" Gelenau war bei den Deutschen Freistil-Meisterschaften im hessischen Kleinostheim der Sprung aufs Podest möglich. Doch Michael Wehlan landete in der Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm nach einer unglücklichen Niederlage im Viertelfinale "nur" auf dem 6. Platz.
Der Gelenauer hatte einen optimalen Start in das Turnier erwischt. Sehr gute Fitness, eine herausragende Einstellung und auch etwas Glück bei der Auslosung bescherten ihm zwei souveräne Siege zum Auftakt. Nachdem er gegen Sascha Bücher (AC Goldbach) auf Schultern gewonnen hatte, bezwang er Martin Obst (Luftfahrt Berlin) dank seiner Beinangriffe, Einsteiger, Rollen und Ausheber durch Technische Überlegenheit. "Er ringt seinen Stil, genau wie in Gelenau bei den Bundesliga-Kämpfen", freute sich Trainer René Schreiter, der Wehlan vor Ort gemeinsam mit Carsten Einhorn und dem als sächsischen Verbandsarzt fungierenden Christian Klotz betreute.
"Vor allem im Kopf war er frei", glaubte Schreiter den Unterschied zum Vorjahr ausgemacht zu haben. Damals hatte sich Wehlan auf nationaler Ebene mit zwei Niederlagen frühzeitig verabschiedet. Diesmal war bereits das Viertelfinale erreicht, als sich dem Gelenauer die Chance zu noch viel mehr bot. Sein Gegner Olaf Bock aus Luckenwalde lag zwar 3:2 vorn, wurde jedoch vom Kampfrichter eine halbe Minute vor Schluss wegen Passivität in die Bodenlage geschickt. Für den RSK-Athleten war das die große Gelegenheit, wie schon einmal in diesem Kampf eine Rolle anzubringen und damit das Blatt zu wenden. Doch der Plan schlug fehl. "Michael war noch nicht eng genug am Gegner und rutschte ab", beschreibt Schreiter die entscheidende Situation, die zum Konter des Luckenwalders und damit zur Niederlage führte.
Trotz allem war der Coach mit Wehlans Leistung zufrieden. Gegen Bock zu verlieren, war keine Schande, zumal dieser wenig später im Finale schon wie der sichere Deutsche Meister aussah. Doch Christian Graupeter vom SV Weingarten drehte zwei Sekunden vor der Schlusssirene mit einer "Drei" den Kampf und gewann 5:3. Ähnlich bittere Erfahrungen mussten in Kleinostheim auch solche Routiniers wie Backhaus oder Alexander Leipold machen. Während Backhaus vorzeitig ausschied, musste sich Leipold im Finale geschlagen geben. Für René Schreiter ist "eine Wachablösung im deutschen Ringkampfsport eingeleitet". Der Gelenauer Trainer sah gemeinsam mit über 1000 begeisterten Zuschauern "Kämpfe mit hoher Qualität". Dabei trug der sächsische Verband mit einer Gold- und zwei Bronzemedaillen seinen Teil zum guten Niveau bei.
Freie Presse (anr)